Vorweg

Ein paar Gedanken über die Idee eines Heilens durch Berührung und Bewegung.

Herr, gib mir Geduld, die Dinge hinzunehmen,
die ich nicht ändern kann!
Gib mir den Mut, die Dinge zu ändern,
die ich ändern kann!
Und gib mir die Weisheit,
das Eine vom Anderen zu unterscheiden!

Was bedeuten eigentlich Gesundheit und Krankheit im Leben des Menschen? Was bedeuten Heilsein, Heilwerden, Heilung?

Wir tragen eine Sehnsucht in uns, eine Sehnsucht nach Heil- und Ganzsein, nach dem Wesentlichen, nach dem Ankommen bei uns selber. Diese Sehnsucht ist Antrieb für unsere Suche, und sie bietet den Nährboden für vielerlei Heilsversprechungen.

Chögyam Trungpa, tibetisch-buddhistischer Lama, sagt in seiner humorvoll- direkten Art: “Von Geburt an ist eigentlich klar, dass wir sterben. Sterben und damit auch Krankheit und Leid gehören zu unserem Leben dazu.“

Heil und gesund werden oder sein bedeutet vor diesem Hintergrund nicht in erster Linie das Freiwerden von Krankheit und Krankheitssymptomen. Heil ist, wer das Leben und sein eigenes Leben so anerkennt wie es ist, wer das Ja zum Leben wie es ist, immer wieder neu sprechen kann. Das Leben verschont uns nicht vom Leid. Aber es gibt uns die Kraft, daran zu wachsen, zu lernen, sogar Humor zu entwickeln und nicht zuletzt die Fähigkeit zum Mitgefühl mit uns selbst, mit anderen Menschen und der Welt. Gesundheit und Krankheit sind nicht Schwarz und Weiß, sondern Teil eines organischen Prozesses. Das Leben, dessen Teil wir sind, dauert ewig. Geburt und Tod sind lediglich Tore, durch die wir von einem Seinszustand in einen anderen gehen.

So ist es wichtig, Krankheiten und ihre Symptome nicht einfach wegzumachen, so verständlich dieser Wunsch ist! Vielmehr kann die Krankheit uns wichtige Botschaften über unseren Bewusstseins- und Geisteszustand übermitteln. Hier liegen oft die eigentlichen und tiefgreifenden Ursachen für unser Ungleichgewicht und unser Krankwerden.
Je tiefer wir in diese innere Haltung hineinwachsen, umso deutlicher sehen wir, dass alles Heilende und alles Heil längst schon in uns da sind, dass wir „lediglich“ lernen müssen, uns dieser „immanenten Transzendenz“ zu öffnen. Dieses Lernen ist ein lebenslanger Weg, manche sagen auch: eine beglückende Herausforderung!

Willigis Jäger, Benediktiner und Zenmeister, sieht im Mangel an Sinn die Hauptursache von Krankheit und im Kontakt mit unserem tiefsten Wesen das eigentliche und tiefste Heilmittel. Je tiefer wir mit unserem innersten Wesen in Kontakt kommen, umso klarer werden die Konturen unseres Lebens, desto mehr wird das spürbar und erfahrbar, was wir uns als Sinn unseres Lebens ersehnen.

Natürlich ist es Ziel heilpraktischer Arbeit, Menschen in ihrer Krankheit zu helfen, sie zu entlasten, zu unterstützen. Ich möchte dabei aber vor allem mit Ihnen zusammen den Blick weit halten und ein lauschendes Ohr entwickeln für das, was die Seele durch die Krankheit sagen möchte. So werden Tanz und Körperarbeit und Körpertherapie zu einem offenen einladenden Raum, in dem ein heilender Prozess stattfinden kann, in dem Körper und Seele sich tiefer miteinander verbinden können, in dem eins im anderen Sinn und Ausdruck finden kann.

Literatur (z. B.): Willigis Jäger, Das Leben endet nie, Theseus-Verlag
Chögyam Trungpa, Weltliche Erleuchtung, Arbor-Verlag